Blog 0031 - Der sexuelle Mißbrauch und andere Rechtssysteme - RA Dr. Roman Schiessler

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Blog 0031 - Der sexuelle Mißbrauch und andere Rechtssysteme

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Der sexuelle Mißbrauch und andere Rechtssysteme

Wiederrum hören wir von einem Mißbrauchsskandal größeren Ausmaßes. Schauplatz ist die Insel Guam, einem Außenterritorium der USA.
 
Eine Photodokumentation über das Schicksal von hunderten Männern gibt Aufschluß über deren Schicksal und stellt das verbrecherische Treiben in der katholischen Kirche in eindrucksvoller Weise dar.
 
Diese Reportage zeigt wiederum, daß es sich beim sexuellen Mißbrauch um ein räumlich und zeitlich ungebundenes Phänomen handelt. Die Mißbrauchsfälle gehen über Jahrhunderte zurück (vgl. Die Verweltlichung der Kirche - ein Mythos) und sind, wie dieser Beitrag zeigt, weltweit anzutreffen.
 
Wo die katholische Kirche auftritt, gibt es massive Probleme in diesem Bereich, dies hindert die offizielle Kirche aber nicht daran, insbesondere hierzulande, eine Bagatellisierungs- und Verharmlosungskampagne zu fahren, welche Ihresgleichen sucht. (vgl. Alles nur eine Kampagne gegen die Kirche)
 
Während in andern Ländern den Betroffenen ungehindert der Zugang zum Recht und zu den Gerichten möglich ist, ist in Österreich und auch sonst im europäischen Raum der Einzelne konfrontiert mit einem Verjährungsrecht, welches diesem jede Möglichkeit nimmt, sich auf Basis des geltentenden Rechts einen entsprechenden Ausgleich schadenersatzrechtlich zu verschafften.
 
Auch wird in anderen Rechtssystemen sogar die Insolvenz einer Diözese oder sonstigen kirchlichen Einrichtung in Kauf genommen, während bei uns der Schutz kirchlichen Vermögens im Vordergrund steht. Die Machtposition der Kirche soll unter allen Umständen erhalten bleiben.
 
All dies findet statt, ungeachtet der Konsequenzen für die Betroffenen.
 
Es ist weltweit das Gleiche. Sie wurden vergewaltigt als sie minderjährig waren, sexuell bedrängt, entwickelten Schuldgefühle und unternahmen Selbstmordversuche, von denen so mancher erfolgreich war. Das Leben insgesamt ist mehr oder weniger ruiniert.
 
Hinzu kam die Isolierung der Betroffenen mit ihrem Erlebten. Sie fanden nie die richtigen Worte um es zu erzählen, nicht zuletzt deshalb, da auch die Ansprechpartner fehlten. Sogar die Eltern blieben praktisch immer uninformiert bzw. wurden manipuliert. (vgl. Eine Österreichische Familiengeschichte von Wiedergutmachung)
 
Alle waren offenbar überzeugt, daß ihnen ohnehin niemand glaubt. Auch hier ähneln sich die Geschichten weltweit.
 
Aber auch hier spielt die katholische Kirche eine völlig inakzeptable Rolle, indem sie aktiv immer wieder darauf hinwirkte, daß alles im Verborgenen bleibt; dies mit Unterstützung staatlicher oder halbstaatlicher Einrichtungen. (vgl. Eine Österreichische Familiengeschichte von Wiedergutmachung)
 
Manche erzählen sogar davon, daß sie sich in den Priester, welcher sie missbrauchte, sogar verliebt hätten. Das klingt absurd, ist aber die Realität. Irgendwie klingt das nach einer Art Stockholm-Syndrom.
 
Dies ist aber nur ein Zeichen und ein Beweis dafür, wie groß die psychischen Folgen bei den Betroffenen sind. In unseren Bereiten ist diese Erkenntnis aber kein Anlass dafür, mit entsprechend effektiven gesetzlichen Regeln dagegen vorzugehen bzw. solche Regeln zu erlassen.
 
Das Gegenteil ist der Fall.
 
Höchste Repräsentanten der katholischen Kirche in Österreich sind sogar noch stolz darauf, erfolgreich die Gerichte ausgeschaltet und einen „Ersatz“ wie die Klasnic-Kommission erfunden und ins Leben gerufen zu haben, welche dann wiederum vom Staat selbst vielfach kopiert wurde. Dies natürliche alles nur zum Wohl der Betroffenen, wie man vorgibt.
 
Wien, am 10.08.2019
RA Dr. Roman Schiessler
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